
"Unternehmen Puschkin" – Frankreich verurteilt sechs Georgier wegen Diebstahl russischer Bücher

Frankreichs Bibliotheken könnten sich künftig bei der Ausleihe von russischen Klassikern zurückhaltender zeigen – allerdings nicht wegen etwaiger Sanktionen oder der sich durchsetzenden Cancel-Kultur, sondern aus Sorge vor Diebstählen. Eine entsprechende Warnung war ergangen, nachdem mehrere antiquarische Ausgaben von Werken russischer Dichter aus renommierten Bibliotheken im Land verschwunden waren.
Inzwischen sind die Ermittlungen im entsprechenden Fall, dem so genannten "Unternehmen Puschkin", abgeschlossen. Wie Le Monde am 13. Juni berichtete, wurden in Paris sechs georgische Staatsbürger – fünf Männer und eine Frau – zu langjährigen Haftstrafen wegen des Diebstahls von Büchern verurteilt.
Im Jahr 2023 sollen die Angeklagten nach Angaben der Ermittlungen unter anderem sechs Bücher von Alexander Puschkin, zwei von Michail Lermontow und eines von Jewgeni Baratynski aus der Diderot-Bibliothek der Höheren Normalschule von Lyon, der Nationalbibliothek Frankreichs und der Universitätsbibliothek für Sprachen und Zivilisationen in Paris entwendet haben.

Bei ihren Taten, die der Staatsanwalt als "massenhaften, organisierten und geplanten Diebstahl, der mit Penibilität und Zynismus verübt wurde" bezeichnete, hatten die Diebe zunächst Fotos und Abmessungen ihrer "Ziele" angefertigt und die antiquarischen Bücher anschließend durch zum Verwechseln ähnliche Kopien ersetzt. Der Ersatz blieb lange unbemerkt, der dadurch entstandene Gesamtschaden wurde auf über 770.000 Euro geschätzt.
Vor Gericht erschienen drei der Angeklagten, die bereits in anderen Staaten festgenommen und verurteilt worden waren, allerdings nach Frankreich ausgeliefert wurden. Das schärfste Urteil wurde gegen den 50-jährigen Michail Samtaradse gefällt, der eine siebenjährige Haftstrafe und ein lebenslanges Einreiseverbot erhielt. Sein Komplize, der 49-jährige Beka Zirekidse, wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.
Zwei der Angeklagten fehlten beim Prozess, da sie in Georgien verhaftet wurden, das seine Staatsbürger nicht ausliefert. In der Heimat wurden sie zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt, wobei das Pariser Gericht sie in Abwesenheit zu sechs Jahren Haft verurteilte.
Die The New York Times hatte im Jahr 2024 berichtet, dass seit 2022 insgesamt über 170 antiquarische Ausgaben von klassischen russischen Dichtern, vor allem von Alexander Puschkin, aus europäischen Bibliotheken entwendet und großteils durch kunstvolle Kopien ersetzt wurden. Betroffen waren unter anderem Bibliotheken in Deutschland, Finnland, Frankreich, Lettland, der Schweiz und Tschechien. Den mit 78 verschwundenen Büchern schlimmsten Verlust hatte die Universitätsbibliothek Warschau zu verzeichnen. Die unter französischer Leitung mit Hilfe von Europol geführte Ermittlung lief unter dem Namen "Unternehmen Puschkin".
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